Ihre Reise war ohne besondere Vorkommnisse und als es Nacht wurde,
beschlossen sie, in Selenos zu übernachten. Selenos war eine große
Hafen- und Handelsstadt, in der mehr Ordensritter herumlungerten als
in einer Bar zum Feierabend. Trotzdem war sie eine beliebte
Anlaufstelle für Flüchtlinge, vor allem für Komoka. Eigentlich gab
es seit dem Krieg der Elemente keine Diskriminierung mehr. Sie wurde
durch den damaligen König verboten. Doch wie die Menschen so sind,
halten sie sich nicht immer an ihre eigenen Gesetze. Wenn sie erkannt
wurden, wurden sie geschnitten, fanden keine Arbeit mehr und mussten
den Ort verlassen. In einigen Ländern hatten die Komoka eigene
Dörfer errichtet, abgeschieden von den anderen, wo sie in Ruhe leben
konnten. In anderen Ländern wurden sie akzeptiert und bekamen meist
Arbeiten, bei denen sie ihre Kräfte frei einsetzen konnten, weil
sie für normale Menschen zu schwer waren. Selbst im Orden gab es in
der gesamten Geschichte seines Bestehens nur eine handvoll
Komokakommandanten. Allerdings gab es auch eine Abteilung, die nur
aus Komoka bestand. Als sie Selenos erreichten, sahen sie vor der
Pension Kevin. Es sah so aus, als hätte er schon eine halbe Ewigkeit
auf sie gewartet. „Sagt mal was braucht ihr denn so lange?“. „Was
zur Hölle machst du denn hier?“. „Ich hab euch verfolgt, weil
ich euch helfen will.“. „Das ist viel zu gefährlich für dich.
Geh zurück.“. Nein. Ich werde euch begleiten, ob ihr nun wollt
oder nicht.“. „Na gut, ich bin im Moment viel zu müde um mich zu
streiten. Komm Saleos, wir nehmen uns ein Zimmer und gehen ins
Bett.“. Als sie auf ihrem Zimmer waren, fragte Martin Saleos: „Was
hältst du von ihm?“. „Ich glaube nicht, dass wir ihm trauen
können. Er ist irgendwie undurchschaubar.“. „Dasselbe hab ich
mir auch schon gedacht. Lass uns schlafen gehen.“. Mitten in der
Nacht sahen sie sich an. Sie waren wieder in dem schwarzen Raum, in
dem sie zum ersten Mal die körperlose Stimme gehört haben. Diesmal
sprach sie zu beiden gleichzeitig. „Gut gemacht Martin und Saleos.
Ihr seid auf dem richtigen Weg. Folgt ihm und ihr werdet mich
treffen. Außerdem werdet ihr zwei Gleichgesinnte treffen, die euch
in eurem Kampf unterstützen werden.Am
nächsten Morgen standen sie schon früh auf um möglichst weit zu
kommen. Kevin wartete schon vor der Eingangstür. Als sich alle drei
gemeinsam aufmachten. Bevor sie allerdings Komogard erreichen
konnten, mussten sie erst noch einen großen Wald durchqueren. Der
Wald war dicht gewachsen und es drang fast kein Licht durch die
dichte Blätterdecke. Plötzlich hörten sie ein Surren. Sie blieben
stehen und vor Martins Füßen steckte ein Pfeil im Boden. Aus den
Bäumen kamen zwei vermummte Gestalten. Die eine Gestalt trug ein
leichtes Krummschwert, die andere hielt einen Langbogen in der Hand,
der gespannt auf unsere Freunde gerichtet war. Doch als der Angreifer
seinen Pfeil freiließ, flog er ins Leere. Martin und Saleos sprangen
in die umliegenden Bäume. Während Saleos einen Bannzauber
vorbereitete, sprang Martin auf den ersten Angreifer zu. Doch
plötzlich erfasste ihn eine starke Böe. Da sonst weit und breit
kein Wind wehte, wusste er, dass der Angreifer ein Komoka sein
musste. Da kam auch schon ein Pfeil auf Martin zu, doch Saleos wehrte
ihn mit einer Lichtblockade ab. Dabei bemerkte Martin, dass der Pfeil
aus Eis bestand. Nun zögerte er nicht mehr und schoss einen
Feuerball auf ihn ab. Er wich aus und dabei fiel ihm die Kapuze vom
Kopf. Unter der Kapuze kam ein Schwall langen, blonden Haares hervor.
Da erkannte er, dass es sich bei dem Angreifer um eine Frau handelte.
Saleos reagierte sofort. Er schuf eine Lichtbarriere um die Gruppen
voneinander zu trennen. „Zeigt euch. Wir wissen, dass ihr Komoka
seid.“, rief Martin. „Wir sind nur auf der Durchreise auf dem Weg
zu Origins Tempel.“. Da begannen die beiden Mädchen, (jetzt
erkannten Saleos und Martin, dass der andere Angreifer ebenfalls ein
Mädchen war) sich untereinander abzusprechen. Schließlich sagte das
Mädchen mit dem Krummschwert: „Ich glaube, wir müssen uns mal
unterhalten.“. Saleos löste die Lichtbarriere auf. Dann begannen
sie, zu erzählen: „Mein Name ist Sephie.“. „Und ich bin
Yutis.“. Wir stammen beide aus Aquatis. Dort herrschen andere
Umstände. Der Orden ist sehr darauf fixiert, alle Komoka unter
Kontrolle zu halten. Jeder Komoka, der seine Kräfte ohne Erlaubnis
einsetzt, wird sofort und aufs Härteste bestraft. Und wer sich
wehrt, wird er von einem hochrangigen Komokaoffizier besiegt und noch
härter bestraft. Deshalb haben einige Komoka ein geheimes Dorf
gegründet, dessen Standort streng geheimgehalten wird. Wer da hinein
will, wird erst geprüft und dann muss er den Eingang des Dorfes
mittels einer Manasignatur finden. Aber genug davon. Vor zwei Tagen
hatten wir einen eigenartigen Traum. Eine Stimme rief uns zu Origins
Tempel und wir folgten ihr bis sie sich in der zweiten Nacht wieder
meldete und uns sagte, wir sollten uns in diesem Wald verstecken. Und
als ich dich in deiner Ordensuniform sah, musste ich dich einfach
angreifen. Es tut uns furchtbar Leid.“. Nachdem die beiden Mädchen
mit ihren Ausführungen geendet hatten, sahen sich Saleos und Martin
an. Sie waren die Gleichgesinnten, von denen die Stimme gesprochen
hatte. Also fragte Martin, ob sie nicht in ihrer Gruppe mitreisen
wollen. „Warum eigentlich nicht.“, sagte Yutis. „Wir haben doch
denselben Weg und zu fünft sind wir stärker.“. Also machte sich
die neugebildete Gruppe auf den Weg.